Zu Besuch bei Onkel Ho

Unsere erste Station in Vietnam war Saigon beziehungsweise offiziell Ho-Chi-Minh-Stadt. Mit knapp 7 Millionen Einwohnern ist es die größte Stadt des Landes und man hat das Gefühl, dass davon jeder einzelne Tag und Nacht mit seinem Moped fährt.



Übernächtigt an der Unterkunft angekommen sind wir direkt zum Essen losgezogen und wurden nicht enttäuscht. In einem kleinen Familienrestaurant haben wir unsere ersten typisch vietnamesischen Gerichte bestellt: Bun Cha (gegrillter Schweinebauch mit Reisnudeln) und Cha Gio (frittierte Frühlingsrollen mit Krebsfleisch). Dazu gab es einen gigantischen Korb mit frischen Kräutern. Wir waren uns nicht sicher, was wir damit tun sollten. War dieser für alle Tische gedacht und jeder nimmt sich etwas heraus? In Deutschland geht man mit frischen Kräutern eher sparsam um. Beobachtung der Nachbartische ergab: in Vietnam ist das Gegenteil der Fall.



Ganz in der Nähe unseres Hotels befand sich auch der Ben Thanh Markt, wo man von Blumen über Essen bis hin zu Souvenirs und maßgefertigter Kleidung praktisch alles bekommt und wo wir auch öfter für einen Snack vorbeikamen.

















Essen ist für die Vietnamesen super wichtig. Zur Begrüßung fragt man nicht „wie geht es Dir?“, sondern wörtlich übersetzt „hast Du heute schon gegessen?“. Essen von hoher Qualität findet man nicht nur in teuren Restaurants, sondern es wird überall auf der Straße zelebriert. Jeder isst auf der Straße, auch im schneeweißen Hemd. Wichtig ist dabei auf einem kleinen Hocker Platz zu nehmen; wie klein dieser ist spielt keine Rolle.



















Knoblauch, Fischsauce, Chili sind die Grundzutaten von fast jedem Gericht und wenn sie nicht darin bereits enthalten sind, dann werden sie doch zumindest in passenden Schälchen dazu gereicht.


Die weltweit berühmtesteste Spezialität ist wohl Phở bò – eine klare Brühe mit Nudeln. Man sagt übrigens nicht „fo bo“, sondern eher „fa ba“, wenn man es richtig aussprechen möchte. Dabei steht „ba“ für das Rindfleisch. Typisch ist die Einlage bestehend aus Sojasprossen, Limetten, Chili, Koriander und Fischsauce.

Extrem lecker ist auch die lokale Süßspeise namens Chè. Es handelt sich um gecrushetes Eis mit Kokosmilch und verschiedenen Einlagen, die man sich aussuchen kann. Hauptsächlich aus Tapioka, Bohnen und Mais. Klingt in diesem Zusammenhang komisch, schmeckt aber fantastisch und wir konnten in Deutschland leider noch nichts vergleichbares finden.




Die französische Kolonialherrschaft hat überall Spuren hinterlassen. So haben wir zum Beispiel an einem vielbesuchten tragbaren Stand auch einfach bestellt und festgestellt: Schneckensuppe schmeckt tatsächlich sehr gut.

Auch das französische Baguette hat es in einer leicht abgewandelten Form (dünnere Kruste und mit Reismehl gebacken) in die tägliche Küche geschafft. Dieses Bánh Mì wird normalerweise mit Leberpastete und eingelegtem Gemüse sowie gegrilltem Fleisch serviert. Praktisch jeder Stand hat seine eigene Version. Alle, die wir probiert haben, waren köstlich.






Der berühmte Konstrukteur Gustave Eiffel, der für den gleichnamigen Turm in Frankreichs Hauptstadt verantwortlich ist, hat auch am Hauptpostamt von Saigon mitgewirkt.

Die katholischen Missionare, die in der Kolonialzeit nach Vietnam kamen, bauten nicht nur Kirchen, sondern entwickelten auch eine vietnamesische Schrift, die auf lateinischen Buchstaben – und jeder Menge Akzente – beruht und die sich als Standardschrift etabliert hat.



An jeder Ecke wird einem bewusst gemacht, dass man sich in einem offiziell kommunistsichen Land befindet. Hammer und Sichel, sowie Marx und seine Genossen sind allgegenwärtig, wobei sich der westliche Einfluss nicht abstreiten lässt.








Schließlich haben wir noch das Museum zum „Vietnamkrieg“ besucht und es war sehr interessant diese Geschichte mal von der anderen Seite zu betrachten. Das beginnt schon bei dem Namen, denn der Krieg heißt hier der „amerikanische Krieg“. Viele Bilder und Ausstellungsobjekte machten für uns den Besuch sehr bedrückend:






Um so interessanter war dabei der unbefangene Umgang der jungen Generation mit diesem Kapitel der Historie. Und das obwohl die Auswirkungen noch bis heute zu spüren sind. So werden noch regelmäßig Menschen von Blindgängern und Mienen getötet und die Gifte, die sich immer noch im Boden befinden, führen dazu, dass Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten noch bis heute behinderte Kinder zur Welt bringen.

2 thoughts on “Zu Besuch bei Onkel Ho

  1. Bei dem Essensangebot bekomme ich Hunger. Die vietnamesische Küche ist fast besser als die chinesische.
    In dem Kriegsmuseum waren wir auch…….es war bedrückend.

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