Ein Tag am Inle Lake

Die Strapazen der Zugfahrt und der wenige Schlaf haben sich am Ende mehr als gelohnt. Nachdem wir noch mit dem Taxi vom Bahnhof bis nach Nyaung Shwe gefahren sind, haben wir uns erstmal einen Tag und eine Nacht im sehr schönen Teakwood Hotel ausgeruht.
Die freundliche Besitzerin hatte uns auch dazu geraten, damit wir den Inle Lake erst einen Tag später besuchen. Denn wir hatten wieder einmal extremes Glück und konnten an besagtem Tag die nur einmal jährlich stattfindende buddhistische Prozession auf dem See erleben. Generell war das Straßenbild – wie überall im Land – stark von Mönchen geprägt.


Der Ort Nyaung Shwe ist sehr klein und verfügt über keine eigenen Touristen-Attraktionen. Er ist mehr als Basis für die Ausflüge zum See bekannt. Es gibt hier einen sehr schönen kleinen Markt, den wir mehrfach besucht haben. Die Menschen in Burma sind sehr klein und so mussten wir immer aufpassen nicht mit dem Kopf an den gespannten Planen hängen zu bleiben.





Wir haben hier auch mehrfach gut gegessen. Die Gegend befindet sich im Gebiet der Shan – der zweitgrößten Volksgruppe von Burma. Die Spezialitäten sind die sehr leckere Shan Noodle Soup und ein Salat aus fermentierten Teeblättern. Beides wird oft in Ständen an der Straße serviert. Wir waren öfter bei dem Straßenstand einer Familie, die sehr freundlich zu uns war: einmal haben wir gefragt, was die anderen Gerichte sind, die sie gerade zubereiten und die nicht auf der Karte standen. Es handelte sich um ihr eigenes Essen, dass sie gerade für sich selbst kochten. Sie freuten sich sehr über unser Interesse – was sie vorher von Touristen noch nie erlebt hatten – und haben ihr Essen sofort mit uns geteilt. Trotz ihrer offensichtlichen Armut wollten sie auch nicht, dass wir dies bezahlen. Mit einiger Überzeugungsarbeit haben sie ein höheres Trinkgeld schließlich doch akzeptiert. Diese Offenheit Fremden gegenüber und die Bereitschaft seinen wenigen Besitz so großzügig zu teilen war ein sehr prägendes Erlebnis für uns auf unserer langen Reise.






Die typische Nudelsuppe war als Frühstück in unserem Hotel bereits inbegriffen und so stand uns trotz des hervorragenden Geschmacks der Sinn nach etwas anderem und wurden schnell und gut fündig: Ein Franzose hat im Ort zusammen mit seiner einheimischen Frau ein Französch-Shan-Fusions-Restaurant eröffnet: Im French Touch gab es bei unseren Besuchen praktisch alles mit frischen Tomaten – sogar Tomaten-Eiscreme. Das liegt daran, dass gerade Erntezeit auf dem See war. Der Besitzer des French Touch war auch Fotograf und Dokumentarfilmer und so lief jeden Abend im Restuarant sein Film „Inthar“ über die Menschen des Sees.

Eine weitere Delikatesse war ein Tofu-Salat mit diversen Chilipasten und verschiedenen Sorten Tofu, der noch auf verschiedene Arten zubereitet war, gereicht mit Kohl. Bestellen konnten wir diesen auf dem Markt noch recht einfach durch zeigen, die Feinheiten blieben uns aufgrund der Sprachbarriere aber leider verborgen – wir hätten gern mehr gewusst, da er so lecker war.


Unsere Hotelbesitzerin hatte uns ein Boot mit Fahrer und in Abstimmung mit uns eine individuelle Tour organisiert.

Noch vor Sonnenaufgang ging es los und nach kurzer Fahrt sahen wir schon die ersten Fischer beim Ausbringen ihrer Reusen.


Der Bootsfahrer wollte kaum für ein Foto halten und schien ungeduldig. Schon kurze Zeit später war uns klar warum. Mitten auf dem See fand ein riesiges Spektakel statt. Bei dem Phaung Daw U Festival wird in einem goldenen Boot mit der Gestalt eines Vogels eine Buddha-Statue – unter Gesang von Mönchen – aus einem Kloster über den See von Dorf zu Dorf gefahren. Dieses wird begleitet von einer Prozession aus Booten, die von hunderten von Menschen gerudert werden. Dabei setzen sie eine für den Inle See besondere Technik ein: sie rudern mit den Beinen. Das erfordert extreme Koordination und Balancier-Vermögen. Eine empfehlenswerte Dokumentation zu diesem Thema aus der TerraX Reihe ist in der ZDF Mediathek verfügbar.










Nach der Prozession brachte uns unserer Fahrer zu einem Markt am Ufer des Sees. Hier herrschte ein reges Treiben und wir konnten beobachten, dass hier wirklich alles gehandelt wurde – sogar Medikamente.














Die Menschen, die auf und am See wohnen, heißen Inthar. Sie bauen sich Stelzen-Häuser auf dem See und sind meist Fischer und Bauern. Um direkt auf dem See schwimmende Gärten anzulegen, werden die ohnehin überall über den See treibenden Wasserhyazinthen zusammengebunden und in mehreren Schichten mit Erde bedeckt. Auf diesem sehr fruchtbaren Boden können sehr ertragreich Obst und Gemüse angebaut werden. Von hier kamen auch die Tomaten des French Touch.












Die langen Fasern der Wasserhyazinthen werden sogar genutzt, um daraus seidenartige Stoffe zu weben. In einer Weberei in einem der Stelzenhäuser begegneten wir auch einer „Long-Neck“-Padaung-Weberin. Wir wollten sie nicht wie im Zoo allein fotografieren, sondern fragten nach einem gemeinsamen Foto mit uns. Wegen der schlechten Lichtverhältnisse war dies gar nicht so einfach und wir baten mehrfach um Positionswechsel, was schließlich für einen Lachanfall bei ihr sorgte.






Auch während der Fahrten über den See, entlang seiner Ufer und Nebenflüsse haben wir viele interessante Menschen beobachten können und immer wieder große und kleine goldene Pagoden.












Ein prägendes Erlebnis war es von dem vielen Gold der Shwe Inn Dein Pagode regelrecht geblendet zu werden.
Hier sind wir ausgestiegen und haben zunächst vom Dschungel zurückeroberte Ruinen erkundet. Über viele Treppen kamen wir schließlich zu den erhöht stehenden goldenen Pagoden, bei denen wir die Augen kaum öffnen konnten.










Nachdem wir den ganzen Tag großes Glück mit dem Wetter hatten, erwischte uns auf der Rückfahrt noch ein extrem starker Regen, dem wir mehr oder minder schutzlos ausgeliefert waren und der allen in die Augen peitschte. Nass aber glücklich ging so ein wunderbarer Tag zu Ende.

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