Mit dem Zug von Yangon zum Inle Lake

Wir hatten überlegt, wie wir von Yangon zum Inle Lake kommen. Weil uns der Flug zu teuer und die Busfahrt auch wegen der Regenzeit zu gefährlich erschien, hatten wir uns für die Zugfahrt im „Soft Sleeper“ entschieden. Für die rund 600km brauchten wir ungefähr 30 Stunden. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h klingt das nicht nach einem gefährlichen Unterfangen, sondern eher einer gemütlichen Kaffeefahrt. Eine geplante Unterbrechung gab es von 2-5Uhr nachts in Thazi, einem kleinen Dorf mitten im Nichts.
Aber der Reihe nach. Nachdem wir es also geschafft hatten ein Ticket zu ergattern und den passenden Zug zu besteigen, machte sich erstmal Ernüchterung breit. Wir hatten zwar ein ganzes 4er Schlafwagenabteil für uns alleine. Zumindest dachten wir das, bis die Dämmerung einbrach und sich plötzlich überall große Spinnen von der Decke abseilten und andere Insekten aus allen Ritzen krochen. Gut, dass wir von den vielen giftigen Schlangen, die es in Burma gibt und die wohl auch oft gern mal mit dem Zug fahren, erst nach unserem Besuch erfahren haben… An Schlaf war aber sowieso nicht zu denken, da einerseits das ganze Abteil völlig verdreckt war und andererseits die Strecke in so desolatem Zustand ist, dass man ununterbrochen wie ein Flummi auf und ab hüpft. Das war auf den ersten Kilometern noch ganz ungewohnt und lustig, nach einigen Stunden aber nur noch nervig.




Diese Zugfahrt war der anstrengendste Transport auf all unseren Reisen und wir werden sie so schnell nicht vergessen. Der völlig verrostete Wagon und die teilweise durchhängenden Brücken trugen ihren Teil dazu bei, dass es ein richtiges Abendteuer war. Trotzdem haben wir es genossen, nachdem wir aus dem häßlichen Teil von Yangon heraus waren, aus dem offenen Zugfenster (für das es keine Scheibe gab) das vorbeiziehende bäuerliche Leben zu beobachten und wurden mit einem wunderschönen und gefühlt stundenlangen Sonnenuntergang belohnt. Das Leben auf dem Land wirkt sehr einfach – teilweise fast steinzeitlich – aber auch der Ochsenkarren muss wohl Maut bezahlen.































Nach Einbruch der Dunkelheit kam ein Schaffner mit warmem Essen und warmem Bier vorbei. Das Essen war gar nicht so schlecht, aufgrund des permanenten Gehüpfes aber schwer in den Mund zu befördern.

Völlig gerädert und ohne die Bord-Toilette auch nur einmal begutachtet zu haben, kamen wir also mitten in der Nacht auf einem klitzekleinen Bahnhof an. So klein, dass er noch nicht einmal über eigene Toiletten verfügte. Es war dringend, also haben wir uns mit Händen und Füßen durchgefragt, bis eine Stimme hinter einem Zaun „Toilet, Toilet“ rief – wohlgemerkt nachts um zwei während der Rest des Dorfes schlief. Wir konnten also ein in den Boden gegrabenes Loch mit einem Wellblechdach aufsuchen und dafür noch bezahlen. Ein tolles Gefühl! Und übrigens der Moment, in dem man die ansonsten so gut wie nie gebrauchte Kopflampe gern griffbereit gehabt hätte. Fotos gibt es davon keine. Dafür aber von dem „warmherzigen Willkommen“, dass eher schnarchend vorgetragen wurde:

Nach 3 Stunden Wartezeit an dem kleinen Bahnhof ging es um 5 Uhr mit dem nächsten Zug durch die Berge nach Shwenyaung. Während der erste Zug wohl als Langstreckenzug angesehen war, war dieser nun wirklich der Dorf-Zug. Als wir losfuhren wurde in einer Art Miniaturprozession ein Buddha mit  Räucherstäbchen durch den Zug getragen. Der Zug war zwischenzeitlich sehr voll mit Menschen, die unglaublich viel dabei hatten: riesige Töpfe mit Reis Gepäck, Kinder und leider auch Durian. Zwischendurch sind ganze Schulklassen ein- und ausgestiegen. Uns gegenüber saß während der gesamten Fahrt über ein Mönch, der direkt unter dem Rauchen-Verboten-Schild eine Zigarre nach der anderen paffte.



Aufgrund der starken Steigung bewegt sich der Zug in einer Art Pendelbewegung den Berg hinauf und an jedem „Bahnhof“ wird die Richtung gewechselt und per Hand dazu die Weichen gestellt.


Da dies immer etwas länger dauert, entsteht um den Zug herum in Windeseile immer ein kleiner Markt. Das war faszinierend anzusehen. An einem der Stops kam der Schaffner, um Jens zu holen, damit er draußen an einem der Stände das famose „Goat Curry“ probieren konnte. Sehr lecker und sehr freundliche Menschen.


Auch die mit dichtem Dschungel bedeckte Gebirgslandschaft war sehr reizvoll und wie bereits im ersten Zug gab es auch hier viel zu beobachten:












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